Problemloser Flug, aber die Einreise gestaltete sich äußerst nervig. 2 Stunden Schlange stehen zerren schon an den Geduldsnerven. Die Fahrräder gab’s gottlob unversehrt zurück. Dem Zoll war das nicht ganz geheuer, haben aber respektvoll passieren lassen.
Art Friedrich hat uns vom Flughafen abgeholt. Er war leicht erkennbar mit dem Schild „Willkommen Fahrräder“ Auch zu seinem Haus hat er uns transportiert, dort für Abendessen gesorgt und noch ein Bier mit uns getrunken. Ansonsten ist sein Haus eher eine kleine Kommune und eben so, wie man das bei Männern erwartet. Sein „Roommate“ Luigi ist mal eben in den Garten gegangen und hat eine Kokosnuss vom Baum geholt, Gemüse gepflückt und ein Essen gezaubert.
24. 03. 2010
Der Jetlag lässt uns früh aufstehen. Jetzt wird es Ernst: 4 Fahrräder aufpacken und samt Gepäck transportfertig im Auto verstauen. Aber es klappt.
Art fährt uns nach dem Frühstück nach Key West. Gute 260 km sind es und wir können sehen, welche Strecke uns auf der Rückfahrt erwartet. Die lang gezogenen Straßen lassen schon nichts Gutes erahnen, aber es sind ein paar Radfahrer und auch !Radwege! zu sehen.
Key West ist ein teures Pflaster, zumal noch Hochsaison ist. Ein bescheidenes Zimmer für horrendes Geld ist gerade noch zu bekommen. Es liegt aber sehr zentral und wir können zu Fuß praktisch den ganzen Stadtkern durchlaufen. Sloppy Joe (http://www.sloppyjoes.com), Hemmingways Stammkneipe muss man eigentlich (nicht) gesehen haben, sein Wohnhaus und den berühmten Sonnenuntergang. Der Touristenstrom hat eine Kneipenszene zu einer bunten Vielfalt wachsen lassen und an jeder Ecke gibt’s Live-Musik.
25. 03. 2010
Key West – Marathon
86 km
Sonnig und heiß, Gegenwind
Unser Start für diese Radtour erfolgt standesgemäß am „Southernmostpoint“, angeblich der südlichste Punkt der USA.
Die einzige Verbindung über die Keys – das sind unzählige Inseln an einer Perlenschnur – ist der Highway 1. (Wer mehr wissen will: http://de.wikipedia.org/wiki/Florida_Keys)
Diese Tatsache ist nicht bemerkenswert, wohl jedoch, dass es fast permanent stur geradeaus geht und auf Dauer die Abwechselung stark abnimmt. Kleinere und größere Brücken verbinden kleinere und größere Inseln. Das wird mit dem Rad irgendwann öde. Sehr nervig ist der Autolärm der fast endlosen Schlangen. Auf den Brücken dröhnt es ganz besonders schlimm.
Wir haben Gegenwind, der besonders auf den Brücken an den Kräften zehrt. Dazu gnadenlose Sonne bei ca. 30°. Die berühmte 7-Miles-Bridge ist der Höhepunkt der Anstrengungen.
26. 03. 2010
Marathon – Key Largo
96 km
Sonng und heiß, Rückenwind
Die A 1 ist heute noch langweiliger. Die gesichtslosen Orte ziehen sich über viel Kilometer der Straße entlang. Zäh gestaltet sich die Fahrt. Der ordentliche Rückenwind ist ganz schön, hat aber einen erheblichen Nachteil: der etwas kühlende Fahrtwind fehlt, und damit ist die Hitze noch unerträglicher.
Ein wenig entschädigend ist die vielfältige Tierwelt zu Lande und zu Wasser. Kormorane, Reiher, Seeadler und besonders viele Pelikane sind pausenlose Begleiter. Einige Gebiete sind als Reservate konsequent abgeriegelt. Vor uns rennt ein tollpatschig wirkender Leguan über die Straße und schafft gerade die andere Seite.
27. 03. 2010
Key Largo - Miami
86 km
Sonnig und heiß, wechselnder Wind
Wegen der vielen Baustellen auf der A 1 nehmen wir den längeren Weg über den Card Sound. Eine Straße, die ebenso stur geradeaus wie einsam ist. Aber wenig befahren und damit ruhiger ist. Große Freude kommt jedoch nicht auf, denn das Fahren bleibt öde. Die Sundbrücke geht sehr steil und sehr hoch, aber für diese Abwechselung ist man schon dankbar.
Bis an die Stadtgrenze von Miami bleibt die Gegend ohne menschliche Besiedlung.
Etwas unerwartet finden wir ein eigenständige Busstraße, die einen breiten zusätzlichen Radweg hat. Wir sind zunächst begeistert, denn das Fahren ist ruhig und entspannt. Mit der Zeit wird es aber auch hier sehr langweilig und die vielen Ampeln stören ständig. Dass Miami groß ist, wissen Viele, aber wie groß erfährt man am besten mit dem Rad. Wir fahren den Busway 35 km und sind noch nicht mitten in der Stadt, fast immer schnurgerade aus. Dafür sind wir aber schnell bei Art Friedrich und können dort den Tag beschließen.
Vorläufiges Fazit:
Wir sind in Key West gestartet, weil das der Beginn des East Coast Greenway ist (sein sollte). Davon haben wir leider nichts gesehen. Der Anteil der Radwege über die Keys ist mit geschätzten 30 % nicht unbedingt hoch. Der Rest geht über stark befahrene Straßen. Auch sonst ist das nur tristes Abfahren und wir fragen uns, warum man so was überhaupt macht. Das scheinen fast alle Anderen zu wissen und demensprechend ist die Zahl der begegneten Radfahrer mit den Fingern eines Sägewerksarbeiters abzuzählen: 1.
Auch eine Radfahrt durch den Moloch Miami kann man getrost unter „nicht notwendig“ abhaken. Selten fühlt man sich auf seinem Rad so deplaziert.