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03. 04. 2010

Cape Canaveral - Kennedy Space-Center – Port St. John

62 km

sonnig und warm, leichter Wind

Heute brechen wir ohne Hast auf, denn das Ziel ist nicht weit. Kim hat ihren Kollegen Guy „inspiriert“, uns für zwei Nächte aufzunehmen. Alle Unterkünfte der Region sind ausgebucht, da der Space-Shuttle-Start am Montagmorgen um 6.21 Uhr Ortszeit viele Besucher anzieht.

Wenn man schon locker fahren kann, ist auch der Rückenwind nicht weit. So fahren wir auf Merrit Island und steuern einen kleinen Laden an. Die Freude des Besitzers ist überschwänglich, ist er doch als Kind in Bitburg zur Schule gegangen.

Auf dem Weg zum Space-Center ducken sich einige Alligatoren schnell ins parallel verlaufende Wasser. Radfahrer erschrecken hier mehr als Riesentrucks.

Am Visitor-Center halten wir uns nicht lange auf und machen nur einen kleinen Stopp an der „Astronauts Hall of Fame“.
 

Am amerikanischen Raumfahrt-Zentrum

 

Bis Guy ist es nicht sehr weit. Er nimmt uns herzlich auf und überlässt uns Haus und Pool für unsere Belange. Einen guten Tipp fürs Abendessen hat er auch, den wir dann gerne verfolgen. Ein Lokal am Wasser, Treffpunkt vieler Harley-Fahrer und sehr gemütlich. Das Essen ist auch reichlich und lecker, vor allem das Bier schmeckt in der Umgebung. Wir verlassen das Harley-Domizil mit größter „Beschleunigung“ im kleinen Gang und brüllen laut „Rrrrroooooaaaaahhh“. Das wird die Knatter-Insider voll beeindrucken!

Bei Guy sitzen wir am Abend in gemütlicher Poolrunde und hören von ihm viel über NASA-Insidergeschichten. 

 

04. 04. 2010    Ostersonntag

Port St. John

12 km

sonnig und warm, Pool-Wetter

Heute ist der geplante Relax-Tag. Radpflege und Pool, sonst nichts. Guy ist überwiegend weg und das Haus gehört uns.

Vormittags hat Guy noch seinen Riesenbildschirm mit dem PC verbunden und mit uns versucht, einen Leihwagen in Jacksonville für Freitag samt 4-Rad-Transport zu organisieren. Was er anfangs als einfach ansah, wurde dann jedoch immer schwieriger und so brachen wir das Thema ab. Der arme Guy tat uns schon leid, nicht das Passende gefunden zu haben. Wir werden die Sache vor Ort regeln müssen.

Das Abendessen bei Kelsey`s ist ausgesprochen lecker

  

05. 04. 2010

Port St. John – Daytona South

95 km

sonnig, ca 30°, Rückenwind

Heute ist Resi`s Geburtstag und was ihr geboten wird, gehört in die Kategorie „nur einmal im Leben“.

Der Tag beginnt um 3.30 Uhr, denn Kim holt uns um 4 Uhr ab. Sie ist leitende NASA-Mitarbeiterin und hat eine spezielle Einfahrterlaubnis in das Kennedy-Space-Center. Dort mitten drin kann sie mit uns den Space-Shuttle-Start der Discovery an der besten für Besucher möglichen Stelle verfolgen. Haben wir ein Glück! Es sind dort noch ein paar tausend andere Besucher, die sich professionell auf dieses Ereignis vorbereitet haben. Auf einer breiten abschüssigen Wiese haben sie reihenweise Klappstühle und Decken ausgebreitet. Sogar ein komplettes Sofa wird aus einem Van heraus getragen und zur Tribüne genutzt. Stative stehen für die ultimative Aufnahme wie ein Wald in vorderster Reihe. Im Lautsprecher werden alle Phasen des Startes und Kommandos der Zentrale live übertragen. In der letzten Minute des Countdowns fällt alles in Schweigen, bis dieses durch das Gebrülle der Triebwerke und Vibrieren des Bodens ersetzt wird. Ein greller Feuerball spiegelt sich im Wasser und das Abheben des Gefährtes sieht aus wie von einer Kanone abgeschossen. Mit unglaublicher Geschwindigkeit geht es aufwärts, einen dunklen Strahl zurücklassend. Ein paar Minuten später verschwindet das immer kleiner werdende Licht hinter dem Horizont und lässt eine Menge jubelnder Leute mit Begeisterung in den Gesichtern zurück.



Ein leuchtender Feuerball hebt ab

 

Von vielen ist nicht bemerkt worden, dass knapp vor dem Start eine Schar Delfine im dunklen Wasser direkt in Ufernähe langsam vorbei glitt, als wenn sie neugierig auf die wartende Menge wären. Ein weiteres Highlight dieses Tages.

Kim bringt uns zurück zu Guy, der ebenfalls mit seinen Familienangehörigen bei uns den Start verfolgt hatte. Das freudige Erlebnis spiegelt sich in allen Gesichtern. Nach einem Kaffee sind wir bald auf der Piste und widmen uns wieder unserer Radtour. Guy hat uns als Gastgeber sehr angetan und wir verlassen ihn ungern. „Stay forever“ hat er noch gesagt.

Wir folgen seinem Ratschlag den längeren Weg über North Merritt Island zu fahren. Diese Naturschutzgebiet gehört größtenteils noch zum Kennedey Space Center. Genau genommen ist das ganze Space Center ein riesiges Naturschutzgebiet mit einer Ausdehnung von etwa 50 x 20 Kilometern. Durch die Absperrung sind weite Teile sich vollkommen selbst überlassen und eine sehr vielfältige Fauna und Flora hat sich etabliert. Sumpf- und Seengebiete machen einen bedeutenden Anteil aus. Wir können die Vielzahl von Tieren kaum nachvollziehen, aber Alligatoren, Schildkröten, Seeadler, Reiher und Kraniche sind selbstverständliche Wegbegleiter. Die meisten Spezies sind uns einfach unbekannt.



Ein Adlerhorst am Wegesrand

 

Im nördlichen Naturschutzgebiet schwimmen unter einer Brücke gemächlich die für Florida bekannten Manatees. Diese Seekühe sehen wir uns noch eine Zeit aus der Nähe an. > http://www.floridajournal.de/florida/manatee.html

Die Straße hinter dem Park ist nicht mehr der Hit. Die US 1 ist sehr belebt, laut und gefährlich. Aber der Rückenwind lässt eine ordentliche Geschwindigkeit zu, dass diese Phase schnell vergessen ist.

Wir erreichen Daytona, die Harley-Welthauptstadt. Das ständige Geknatter geht einem langsam richtig auf den Keks.

 

 

3. Vorläufiges Fazit:

Langsam macht das Radfahren wieder Spaß. Die Sitzprobleme sind vergessen, die Kondition nimmt enorm zu und auch die Straßenbedingungen bessern sich peu a peu. Dennoch gelten wir stets als Exoten auf der Straße. Viele Gespräche nach woher und wohin enden nur mit einem „woauh“ und ungläubigem Gesichtsausdruck.

Wir passieren öfters States-Parks, welche einen besonderen Status und Qualitätsmerkmale haben. Wollte man diesen bei uns anwenden, würden wir alle nur noch in geschützten Parks leben. Man mag daraus erkennen, wie gut wir eigentlich in unserer Umgebung leben können.

Die Sonnenbrände sind auch vergessen und wir haben kennen gelernt, dass, wenn man nach Norden fährt, besonders an den Waden und hinter den Ohren Sonnenschutz gehört

 

 
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