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Strecke:

 

North Carolina

 

Fläche: 139.389 km²

Einwohner: 9.380.884

    

15. 04. 2010

Little River – Wrightsville Beach

78 km

sonnig, 24°, Rückenwind

 

Heute morgen ist es mit 7° derartig kalt, dass Handschuhe her müssen. Dank intensiver Kartenstudien finden wir fast immer sehr angenehme Nebenstraßen oder zumindest mit einem soliden Seitenstreifen auf den größeren Straßen.

Weit abseits von Orten fahren wir an einer Nebenstraße an vielen Golfplätzen vorbei. Hier sind das keine Plätze zu denen man zum Spielen hinfährt. Hier wohnt man Golf. Großen Ferienressorts gleich sind ganze Siedlungen durch die Fairways verbunden und als Adresse gibt es z. B. 14. Loch 31. Alles ist im noblen Ambient gehalten und äußerst gepflegt. Aber was macht man immer soweit draußen?

Mit einer Fähre setzen wir von Southport nach Fort Pierce über und landen auf einem wunderschönen lang gezogenen Eiland vor der Küste.

 


16. 04. 2010

Wrightsville Beach – Newport

150 km

sonnig, 27°, Rückenwind

Dass es heute ein langer und weiter Tag wird, hatten wir eingeplant. Unsere Übernachtungsmöglichkeit war vorher organisiert. Dass es jedoch noch ein wenig weiter wurde, lag an einer vor ein paar Monaten vorgenommenen Sperrung einer Straße durch einen Marinestützpunkt. In der Karte und auch Google Map stand davon nichts. So kamen zu dem geplanten Weg ca. 20 km hinzu sowie die Durchquerung von Jacksonville NC. Die Strecke verliert jedoch ihren Schrecken wenn der Wind wie heute heftig weht, nämlich von hinten. So macht Radfahren auch auf 150 km Spaß, wenn leichtes Treten bei 25 km/h möglich ist.

Zum Schluss können wir uns noch viel Zeit lassen, weil wir unser warmshower-Quartier um sieben Uhr angemeldet haben.

Bei Alex und Mary-Helen geht es turbulent mit ihren 6- und 3-jährigen Kindern zu, aber sie sind herzlich und bieten ein angenehmes Quartier.

  

17. 04. 2010

Newport - Ocracoke

88 km

sonnig, 27°, Rückenwind

Von Newport begleitet uns zunächst noch einiger Verkehr, der aber rasch nachlässt und auf der Insel Carteret sehr dünn wird. Ein wunderschönes Fahren auf Meereshöhe in einer manchmal sehr einsamen Ecke von North Carolina.

Wir haben die Brücken auf der ganzen Strecke von Florida nicht gezählt, aber täglich waren immer einige dabei. Diese sind so hoch gebaut, dass Segelschiffe mit ihren Masten darunter fahren können. Die Rampen haben eine gehörige Steigung, da sie konsequent ohne Radfahrer geplant wurden. Deswegen haben  wir regelmäßig unsere Bergwertungen zu überstehen. Mit Alpenerfahrung macht uns das aber überhaupt nichts.

 

Von Cedar Island nehmen wir die Fähre auf den schmalen Inselstreifen der Outer Banks. Die Fahrt bis Ocracoke dauert über 2 Stunden. Ein recht schöner Ort und in dieser Jahreszeit sehr ruhig. Die Einrichtungen deuten jedoch auf größeren Trubel im Sommer hin und Fahrradverleiher bieten gleich hunderte Bikes an. 

 
 

18. 04. 2010

Ocracoke Cape Hatteras – Salvo

98 km

sonnig, 14°, heftiger Gegenwind

In der Nacht tobte ein Sturm über den Ort und hat Gartenmöbel und Mülleimer durcheinander gewirbelt. Damit hat sich das Wetter dramatisch verändert. Der Wind weht heftigst aus Norden und die Temperaturen kommen nicht mehr über 14°. Dieser Wert entspricht auch unserer Durchschnittsgeschwindigkeit. Meile für Meile kämpfen wir gegen den Wind und die Kühle an. So hatten wir uns den Tag nicht vorgestellt. Dabei könnte alles so schön sein. Der Inselstreifen bietet durchaus seine Reize. Die lang gezogene schmale Landzung, manchmal nicht mehr als ein paar hundert Meter breit, ist ozeanseitig mit Dünen und der anderen Seite mit Schilf und Gras bedeckt. Viele Vogelarten haben hier ein geschütztes Refugium.

 
 

Zwischendurch haben wir noch eine Fähre zur nächsten Insel. 40 Minuten Pause, um dann gegen den Wind weiter zu kämpfen.

Entgegen unserer Absicht machen wir früher Schluß. Es geht einfach nicht mehr weiter und die Auskunft in einem Lokal, dass das nächste Motel noch 24 Meilen weit ist, schreckt bei den Bedingungen heftig ab. Die Empfehlung, auf einem Campingplatz eine kleine Holzkabine ohne Bad, Bettwäsche und Handtücher zu nehmen, schreckt bei 70 Dollar gehörig ab. Dafür fahren wir wieder 6 km zurück und haben ein günstigeres Motel – mit allen Einrichtungen.

 

19. 04. 2010

Salvo - Grandy

103 km

Bei gleichen Bedingungen wie gestern geht es heute wieder los. Da sind die Knochen schon bei der Erinnerung am Tiefpunkt. Wir versuchen dem Gegensturm durch abwechselnde Führungsarbeit die Schärfe zu nehmen, was nicht so recht wirkt.

Nach einem 2. Frühstück bei km 40 kommt unerwartet die Wende. Der Wind lässt nach und kommt nicht mehr direkt von vorne. Der gute Kaffee hat Kräfte mobilisiert und auch die Strecke führt nicht mehr nur durch einsame Dünenlandschaften.

Bei Kitty Hawk besichtigen wir das Gelände, auf dem den Gebrüdern Wright 1903 der erste Motorflug gelang. Selbstverständlich gibt es auch Museum mit Original-Exponaten. Eine sehr interessante Etappe unserer Reise führt uns in eine der patriotischen Geschichten Amerikas. Das drückt sich auch auf  den Autokennzeichen von North Carolina aus, die stets den Spruch „First in flight“ voranstellen.

(Ohio übrigens, der Geburtsort der Gebrüder Wright, hat seine Kennzeichen mit dem Zusatz „Birthplace of flight“ versehen)



Nachbau des ersten Fluggerätes



Gleithügel mit Denkmal

 

Nicht so heroisch, dafür aber mit ähnlichem Rummel kommt uns kurze Zeit später die Outer Bank Bikeweek in die Quere. Ein großes Motorradtreffen, selbstredend fast vollständig auf die Legende Harley ausgerichtet. Wir sind ja auch Biker und stellen unsere Fahrräder in der ausgerichteten Reihe der Knattermaschinen auf. Das erregt mehr Aufsehen als manch chromblitzender PS-Protz.

Eben wegen dieser Bikeweek sind die Motels der Umgebung ausgebucht oder überteuert. Was will man machen, eine ziemlich heruntergekommene Bude für 72 $ sind ein Schnäppchen. Hardcore-Biker die Nacht über inbegriffen.

 Fazit North Carolina:

North Carolina zählt sicher zu den Bundesstaaten, über die man bei uns wenig erfahren hat. Dennoch kann man sagen, dass er zu den schöneren des Landes gehört. Eine etwas lockere Lebensart, viele schöne Landstriche mit Wäldern und Gewässern sind einem immer schnell ans Herz gewachsen. Das Meer ist auf unseren Strecken ständig präsent und zeigt sich von zurückhaltender Qualität ohne gleich die Touristenmassen anzuziehen.

Wo wir auftauchen werden die Schönheiten und Attraktionen des Landes selbstbewusst präsentiert. Der Staat bietet ja auch eine Menge, von der wir allerdings nur den Küstenstreifen kennenlernen. Als Radfahrer ist man durchaus anerkannt und auf Schildern wird ständig hingewiesen, die Straße mit Radlern zu teilen. Trotzdem ist bei allen Gesprächen immer der Satz am Schluss, dass man sehr aufmerksam fahren soll. Nicht unbegründete Besorgnis, denn als Radfahrer lebt man gefährlicher als Andere.

 
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