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06.05.2010

Workum-Groningen

Kruuuul Flasche leer

12:45 Uhr
Letzte Nacht habe ich bis nach 2 Uhr die Homepageseiten aktualisiert und anschließend eine der etwas stärkeren Schmerztabletten eingeworfen. Mal schauen, ob es etwas besser wird. Ich habe ja noch Notfalltropfen, die manchen Junkie glücklich machen würden, auf die ich aber, wenn es möglich ist, verzichten möchte.


Um 7:30 Uhr schellte etwas später als üblich der Wecker. Nach der kurzen Nacht gönne ich mir noch 15 Minuten im warmen Bett.
Das Frühstücksbuffet war echt toll. Diese Unterkunft kann ich sehr empfehlen. Als es ans Bezahlen ging, die nächste positive Überraschung: das erste der beiden Biere ging auf Kosten des Hauses und auch das zweite, das ich mir gegönnt hatte, kostete nur 1 €. Insgesamt habe ich für Ü/F und das Bier 27,50 € bezahlt. Klasse! Das Haus ist sauber, die Betreiber freundlich, eine Küche steht für alle zur Verfügung. Kalt- und Warmgetränke stehen bereit und jeder kann sich jederzeit bedienen.
Dazu gibt es WLAN und für alle, die keinen Laptop dabei haben, steht ein PC kostenlos zur Verfügung.
Beim Aufstehen war es wie fast jeden Morgen wolkenlos und kalt. Als ich um 10:15 Uhr abfahren wollte, gab es viele Wolken und es war immer noch sehr kühl.
Der Wetterbericht hatte gemeldet:
9-11 Grad (stimmt)  - um 18 Uhr genau noch 8 Grad
Die Sonne verschwindet und es kommen immer mehr Wolken (stimmt)
mäßiger (28 km/h) Wind (stimmt) aus NO (stimmt) – ich fahre genau nach NO!!
Für den späten Nachmittag ist Regen angesagt (1,8 mm) und ich hoffe, dass wenigstens das nicht stimmt.
Nachtrag: jupp, kein Regen!

Seit einigen Tagen bin ich alleine unterwegs und habe praktisch keine Unterhaltung. Da hilft mein Navigationshandy. Zu der Dame mit der süßen Stimme habe ich so etwas wie eine verbalerotische Beziehung entwickelt. Manchmal fahre ich 3* durch den Kreisverkehr, nur damit ich ihre Stimme höre. Dann neckt sie zurück: „im Kreisverkehr die vierte Ausfahrt rechts“. Das ist 1000* besser als in den letzten Jahren, als ich mich mit ständigen Selbstgesprächen psychisch über Wasser hielt  J
In Leeuwarden habe ich die Stimme leider mundtot machen müssen. Sie wollte mich immer auf eine Straße führen, die für Radler verboten war. Eingeschnappt  schwieg sie mich kurz vor Feierabend an, als der Akku in die Knie ging.

Jetzt sitze ich in einer Grillstube und habe erst gut 20 Kilometer gefahren. Die nächsten ca. 85 werden bei den Windverhältnissen schwer und ich werde vermutlich wieder spät in Groningen ankommen.

Ich  habe wieder gelernt: Der erste Akku des Navi-Handys ist leer (die Nacht hatte nicht gereicht, um alle drei Akkus vollständig aufzuladen). Ich habe heute Morgen vorausschauend das Ladegerät griffbereit in die Lenkertasche gepackt und bei jeder Pause kann ich den Akku wieder etwas nachladen.

Der Wind ist stark und kommt direkt von vorne. Ich schaffe teilweise mit starker Anstrengung nur eine Geschwindigkeit von 9 km/h.
Bereits eine Stunde nach der Mittagspause muss ich wieder eine Pause einlegen. Ich bin doch glatt 8 Kilometer weiter gekommen. Wenn ich zurückdenke, habe ich bei meinem letzten sportlichen Tätigwerden vor sieben Jahren bei einem Stundenlauf in Warburg 12800 Meter zurückgelegt. Damals war ich zu Fuß wesentlicher schneller, als heute mit einem 21-Gang-Rad.
Ich besuche einen Lebensmittelladen und es gibt ungesunde Dinge, nach denen mein Körper ruft: Weingummi und Getränke mit naturidentischen Aromastoffen (kommen wohl von Bayer oder Sandoz).
Nach einer weiteren Stunde ist für mich klar: In Groningen kommst Du nicht an, ohne Dich völlig auszupowern, was sich an den nächsten Tagen rächen würde. Ich entscheide mich, in Gronigen die Buchung rückgängig zu machen und schon weit vor Groningen zu übernachten.
Der frontale Gegenwind ist einfach zu heftig. Radfahren, die mir entgegenkommen, fliegen nur so dahin und lächeln mitleidig zu mir herüber.

Was mich interessiert: Hier in der Provinz Friesland sind die Ortschilder zweisprachig. Das kenne ich in Deutschland aus dem Bereich des Spreewaldes, wo alle Ortschilder in deutscher und sorbischer Sprache sind. Ist das hier ähnlich? Gibt es zwei Bevölkerungsgruppen mit einer unterschiedlichen Sprache?
(Nachtrag: Von Karin beantworter: Dialekt)

19:15 Uhr
Ich esse gerade in einem guten Restaurant  in Buitenpost. Es soll hier eine Pension „Bed en Brochje“ geben. Je weiter ich auf Groningen zufahre, kann es nur noch teurer werden. Mal schauen, ob die einzige Übernachtungsmöglichkeit im Ort für mich noch ein Zimmer frei hat.

Ich bin jetzt 31 km vor Groningen und werde also morgen auch nicht mein Ziel „Westerstede“ erreichen. Bei Seitenwind werde ich  versuchen ich bis Leer zu kommen, bei Gegenwind wird die Kondition nicht bis Leer reichen. Sollte ich Rückenwind in der Stärke  des heutigen Gegenwindes haben, werde ich bis hinter Leer „fliegen“.
Übermorgen habe ich in Bremen ein Zimmer gebucht und auch schon bezahlt. Das wird noch knapp. Sollte ich Bremen nicht erreichen, hatte ich anschließende sowieso zwei kleine Etappen eingeplant, um konditionelle Engpässe ausgleichen zu können. Also werde ich in Buxtehude (keine Buchung), oder spätestens in Bad Oldesloe (JH gebucht) wieder mitten im Zeitfenster sein.

Shit, ich habe gestern verpennt, dass Barbara Geburtstags hatte. Also speziell für Babs: Herzlichen Glückwunsch nachträglich, Gesundheit und pflegeleichte Söhne (die Tochter ist es ja)

Knapp 80 km heute bei einer Durchschnittgeschwindigkeit von unter 12 km/h --- vergessen!!




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