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Gestern haben wir ein junges Paar kennengelernt, welches im Rahmen eines Stipendiums für zwei Monate in Allenstein studiert. Dienstag wollen wir Allenstein erreichen.

Das Frühstück im Hotel ist gnadenlos gut. Sicherlich wäre der Aufenthalt für mich nicht bezahlbar. Zum "III Welttreffen der Danziger" hat die Stadt Danzig ihre internationalen Gäste in dieses Hotel eingeladen und zufällig gehöre ich dazu. Ich bedanke mich herzlich bei der Stadt Gdansk für dieses Erlebnis und dafür, dass mein Geldbeutel zwei Tage lang etwas geschont wird.

Das *****-Hotel ist gediegen schön und ausgesprochen sauber, wie ich das bei einem 1a-Betrieb erwarte. Ob die Gäste allerdings auch immer 1a sind, wage ich zu bezweifeln.

Liebe männlichen Gäste des Radisson Blu!
Diese Bürste auf der Toilette, ich meine die, die in dem gediegenen silbernernen Kegel steht, ist nicht dazu da, dass Ihr sie benutzt, um den Scheitel Eurer pomadigen Haare etwas nachzuziehen!

Blick auf das Krantor


Dieses Foto habe ich ca. 100 km vor Danzig aufgenommen.
Spätestens in der Landschaft der Masuren hoffe ich, bei gutem Wetter schöne Bilder liefern zu können.
Ab morgen ist aber schon wieder eine Wetterver-schlechterung
angesagt

Hierzu vielleicht ein kleines Zitat gefällig?

Viele von uns gehen durch das Leben, ohne ein Bewusstsein für ihre Schritte zu haben. Und weil wir glauben, dass das Glück nicht hier, sondern in der Zukunft liegt, haben wir uns angwöhnt, ständig zu rennen. Deshalb ist es so wichtig, immer wieder anzuhalten.


Dieses Bild ist einige Tage alt.
Langsam entwickeln sich aus gelben Löwenzahn-
wiesen helle
Pusteblumen-wiesen.

Zu diesem
Foto passt
möglicherweise
das folgende
Gedicht:

Das Leben ist wie eine Pusteblume:
es trägt dein Leuchten in den Sommer
und erfreut dich und andere mit strahlenden Farben,
es bietet anderen Nahrung
und zum Schluss verweht es im Wind

Der knochenharte Krull, der auf einer Etappe180 km mit einem schwergängigen Rad fährt, der trotz lädiertem Hüftgelenk die Strapazen dieser Benefiztour auf sich nimmt, ist gerührt. Ich muss zugeben, dass sich einzelne kleine Tränen ganz weit hinter meinen Augen sammeln. Shit, also doch auch ein kleines Stück sensibel!
Der polnische Honorarkonsul in Bremen (zuständig für Norddeutschland) interessiert sich für die "Hansetour 2010" und ich kann mit ihm und seiner Gattin einzelne Worte wechseln.
Bei offiziellen Ansprachen wird uns beiden Radlern ein Simultandolmetscher zur Seite gestellt.
Was ich hier in Gdansk beim III Weltreffen der Danziger (findet alle 4 Jahre statt) erleben darf, lässt sich kaum in Worte fassen, trotzdem werde ich es heute Abend, nach dem Besuch der Philharmonie und Gesprächen mit dem deutschen Generalkonsul, dem Honorarkonsul und dem Bürgermeister (Nachtrag: BM hat nicht geklappt) versuchen, auch um nicht zu vergessen!
Hier ein Auszug eines halbstündigen Gesprächs mit einer Dame beim Mittagsimbiß im Rathaus:
In Polen geboren - bis zur Quarta (1339) eine Schule in Danzig besucht- Mutter 1938 an Nierensteinen gestorben, beim Einmarsch der Deutschen am 1.9.39 wurde der Vater als Intellektueller sofort verhaftet und später in Auschwitz vergast. Sie wuchs als Waise bei Pflegeeltern und Verwandten auf -- das Naziregime erlaubte nur den Besuch einer Volksschule -- nach dem Krieg Nachholung des Gymnasiums und 1949 (?) Abitur und Studium der Pharmacie. Mann kennengelernt, der an der Danziger Hochschule im technischen Bereich arbeitete. Keinen Job in der Apotheke bekommen. Durch Zufall eine einen Professor gelangt, der in Bereich Lebensmittelkontrolle eine Fachkraft gebrauchen konnte--sich langsam emporgearbeitet bis zur eigenen Professur!
Was für ein Lebensweg für ein Waisenkind, welche ab Ende 1939 zwangsweise zur Volksschulschülerin degradiert wurde.
Solche Geschichten gibt es heute viele und ich versuche zu berichten.
In 5 Minuten geht es zum Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe.














Die Stadt lebt!!

Es ist 16 Uhr. Wir haben gut eine Stunde Zeit, bevor wir zur Philharmonie abgeholt werden. Also ist im 5*****-Radisson Blu noch eine kurze Erholungspause angesagt.

Die Veranstaltung auf dem Fiedhof der nichtexistierenden  Friedhöfe war ebenfalls völlig beeindruckend. Der Friedhof wurde für die Friedhöfe errichtet, die in politisch stürmischen Zeiten vernichtet wurden, oder aber dadurch untergegangen sind, da ihre Pflege vernachlässigt wurde.
Ca. 15 Geistliche der in Danzig vertretenen Religionen (kath., ev., orthodoxe Priester, Baptisten, Juden, Moslems uvm) wenden sich mit kurzen Reden an die Anwesenden auf diesem sehr schlicht gehaltenen Friedhof. Die meisten der Anwesenden sind als Kinder in der Vorkriegszeit in Gdansk aufgewachsen. Die meisten haben das 80. Lebensjahr überschritten. Die Zeremonie ist sehr bewegend.
Danzig war zur Zeit vor 1939 offenbar ein Schmelztiegel verschiedener Nationen "Wir haben vor den schrecklichen Ereignissen als Kinder alle gemeinsam gespielt", erzählt mir eine ältere Dame.
Ich habe doch die ein oder andere kleine Träne im Auge, die ich mir verstohlen wegwische.
Shit Sensibilität, oder nein, eigentlich bin ich ganz froh darüber, dass ich mir in diesen Zeiten des Egoismus und der Ellenbogengesellschaft ein klitzekleines Stück Sensibilität bewahrt habe.



Ich werde dem deutschen Generalkonsul in Polen vorgestellt und kann ihm kurz über meine Benefizreisen im Namen der Hanse berichten.

Ich unterhalte mich viel mit den älteren Teilnehmern, die in Danzig geboren und als Kinder aufgewachsen sind. Oft, höre ich die Wort Stutthof, Auschwitz und Ravensbrück.
Dazu fällt mir ein Zitat vom Auschwitzüberlebenden Elie Wiesel ein, welches ich schon einige Male zitiert habe, wenn es um die Geschehnisse zwischen 1933 und 1944 geht:

Wenn wir gegessen
sind wir mitschuldig und Mittäter
(Elie Wiesel, Jude und Nobelpreisträger)

....................wir brauchen sicherlich nicht jeden Tag über die Geschehnisse von damals sprechen, aber auf keinen Fall vergessen und immer dort anbringen, wo sie in Vergessenheit geraten können....
Denn Elie Wiesel, der seine Eltern und Geschwister in verschiedenen KZ verloren hat, sagt auch:

"Die Welt habe nichts gelernt aus den Schrecken von Buchenwald. „Wie kann es sonst ein Darfur, ein Ruanda und ein Bosnien geben"

Ein anderes Zitat dieses Autors macht mir Hoffnung:

"Die Kinder der Mörder sind keine Mörder, sondern Kinder"

Die Hansebewegung hat für mich neben den touristischen und wirtschaftlichen Aspekten auch noch eine andere Bedeutung: Völkerverständigung im großen Raum der EU -- die Kinder haben hoffentlich gelernt!


Schon auf meiner ersten Benefiz-Radtour hatte ich gemeinsam mit Harald das Arbeitslager und spätere Tötungslager Stutthof besucht.
Ich werde es morgen ein weiteres Mal aufsuchen.

22:00 Uhr

Die Philharmonie war gnadenlos gut. Zuerst wurden 2 Leute ausgezeichnet, die sich für die Beziehungen zu Danzig verdient gemacht haben. Danach wurde der "Bürger der Stadt" prämiert. Er hatte so bekannte Vorgänger wie Lech Walea. In einem Schwarweißfilm wurde der Danziger Toten gedacht, die vor einigen Tagen bei dem Flugzeugabsturz einer poln. Regierungsdeligation ums Leben gekommen sind. Das Leben eines jeden einzelnen wurde in dem Film vorgestellt. Ich habe als Kulturbanaause keine Ahnung, aber ich glaube, dass das anschließende Konzert einfach super war.

Auf meinen Radtouren in alle Ecken Europas (Gibraltar, Sizilien, Algarve, Istabul usw.) habe ich auch schon Überschwemmungen erlebt. Die Fahrt an die Algarve  ist mir insoweit in Erinnerung geblieben, als die Loire heftig über die Ufer getreten war und einige Radwege nicht mehr nutzbar waren.
Aktuell sind im Süden Polens die Flüsse Weichsel und Oder heftig über die Ufer getreten. Das Problem scheint nicht die Höhe der Flut, sondern die Länge zu sein. Die Deichen weichen auf und dann folgt die Katastrophe. Allein von einer Gemeinde wurden von 26 Dörfern 23 bis zu den Dächern der Häuser überschwemmt. Die Bilder, die im Fernsehen gezeigt werden, erinnern an die Oder Katastrophe vor einigen Jahren (10?).
Deshalb ist unsere Frage, wie wir morgen über die Weichsel kommen, sicher berechgtigt. Im Norden scheint alles ok zu sein und wir werden morgen die Fähre nutzen können.



22:30 Uhr

Am Nachbartisch sitzen Ostwestfalen und Leute aus dem angrenzenden Niedersachsen (Rinteln usw.). Anscheinend Geschäftsleute von einigen Gewicht. Es fallen Namen, die auch mir nicht unbekannt sind. Schön, dass man nicht alle Leute leiden können muss.  


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Hi Ben, nachdem Du mir ein schönes Foto von Eurem Noah zugeschickt hast  (es wird doch wohl für mich ein "nachpinkeln" geben?), habe ich nur für Euch ein kleines Zitat auf meiner kleinen Festplatte gefunden. Grüße an Julia und Euren Sprößling:

Nimm ein Kind an die Hand und lass dich von ihm führen.
Betrachte die Steine, die es aufhebt und höre zu, was es dir erzählt.
Zur Belohnung zeigt es dir eine Welt, die du längst vergessen hast

Für heute ein  letztes Zitat.
Ich weiß nicht ob ich es noch im genauen Wortlaut in Erinnerung habe, deshalb sinngemäß:

"Du solltest nicht versuchen dem Leben mehr Minuten, sondern den Minuten mehr Leben zu geben".

Heute durfte ich meinem Leben viele erfüllte Stunden schenken.
Dafür bedanke ich mich bei Jolanta Murawska und vermute mal, dass Manfred Schürkamp an diesem Empfang nicht ganz "unschuldig" ist. Die Danzigerin und dem Herforder verbindet eine hanseatische Freundschaft im  Präsidium der internationalen Hanse (www.hanse.org)




Rückblick:

Bereits auf meiner ersten Benefiztour 2006 von Herford nach St. Petersburg hatte ich in Danzig 3 Tage Station gemacht, um auf meinen Begleiter Harald zu warten, der einen Flug von Lübeck nach Danzig gebucht hatte. Gemeinsam sind wir die restlichen Kilometer bis St. Petersburg gestrampelt.

 
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