Das Hotel in Alytus war ok. Es hat mir u.a. auch gefallen, weil deutsch gesprochen wurde. Ein Frühstück war im Preis von 18 Euro nicht enthalten und deshalb haben wir kurz nach der Abfahrt um 9 Uhr einen Laden aufgesucht und uns mit Lebensmitteln eingedeckt. In der letzten Nacht hatte es stark geregnet und es sieht weiterhin nach Regen aus. Wider Erwarten entwickelt sich der Tag jedoch zum Positiven -- heiter bis wolkig, 15-20 Grad und kein lästiger Wnd-- Radlerseele, was willst Du mehr? Die Hauptstraße ist wenig befahren und wir kommen gut voran. Meine Hüfte macht mir extrem Probleme, zwar nicht auf dem Rad, aber ich kann nur mit sehr starken Schmerzen einige Schritte gehen. Nebenwirkungen hin oder her, ohne meine Drops geht es nicht weiter. In Anbetracht meiner schwachen Kondition und der Schmerzen, sowie anderer Faktoren mache ich mir erstmals Gedanken darüber, ob ich die Tour wirklich bis zum Ende durchziehen möchte. Um 16 Uhr erreichen wir nach 65 Kilometern das Kinderheim in Rudischkes, 15 Kilometer vor Trakai. Das Kinderheim ist übergangsweise von Trakai nach Rudischkes umgezogen. Rudischkes liegt ebenfalls in der Rayon (Kreis) Trakai. Das neue Heim sieht wesentlich freundlicher aus als das, welches ich im letzten Jahr kennengelernt habe. Wir werden sehr nett empfangen und am Abend ist ein Abendessen mit Zigmundas, Vitautas und dem Heimleiter angesagt. Langsam wirkt die Tablette und morgen ist ein Pausentag. Nach dem Duschen sehe ich die Sache mit der Ankunft in Tallinn schon wieder viel positiver.
Beim Abendessen gibt es viel Stoff, über den gesprochen wird. @Engelbert: Ich soll Dich herzlich grüßen.
Ein Thema in diesem Heim ist für mich die FAS-Problematik:
Menschen mit dem FAS-Syndrom sind deshalb behindert, weil die Mütter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Hierzu einige Beispiele, die ich auf dieser und der Hansetour 2009 in dem Heim sammeln konnte: 50% der Kinder sind wegen nachgewiesener FAS-Symptomatiken unter ständiger ärztlicher Kontrolle. Hier leben 14 Kinder von einer Mutter, jeweils sieben von zwei Vätern. Sieben andere Halbgeschwister haben 7 verschiedene Väter und ihre Mutter ist seit der ersten Schwangerschaft nicht wieder nüchtern geworden. Kurz vor dem Aufenthalt 2009 war eines der Heimkinder mit 4,02 Promille Alkoholgehalt im Blut gerade noch in einer Spezialklinik gerettet worden. Aktuell befindet sich ein 15 jähriges Heimkind zum Alkoholentzug im Krankenhaus. Wenn eine junge Frau aus dem Haus schwanger ist, feiert sie weiter in den bekannten Cliquen mit Bier und Wodka.
Die Spendengelder, die ich seit einiger Zeit für dieses Haus sammel, sollen vorrangig der FAS-Aufklärungsarbeit dienen. Wenn durch meine bisherigen und zukünftigen Spendensammelaktionen für dieses Heim nur ein Kind vor der Krankheit bewahrt werden kann, hat sich alles gelohnt.
Morgen ist Ruhetag und diesen werde ich u.a. dazu nutzen, um einige Bilder einzustellen.