01.06.2010 Aufgeben??? Letzte Nacht hat es stark geregnet. Wir frühstücken in dem ***-Hotel, nur wenige Meter vom Campingplatz entfernt. Das Buffet ist nicht so ganz des Gelbe vom Ei. Um 10:15 Uhr geht es los. Es ist mittlerweile trocken und recht warm (tagsüber 20 Grad und wolkig). Der Nordwind ist schwach und stört kaum. Zum Radfahren ist der Tag ideal, insbesondere auch, weil wir vor weiterem Regen verschont bleiben. Kurz vor Mittag werden meine Hüftprobleme immer stärker. Bis zum nächsten Ort sind es noch 5 Kilometer und nur mit Mühe und unter starken Schmerzen kann ich diesen erreichen. In der Pause nehme ich eine Tablette, die aber kaum wirkt. Aktuell (16:15 Uhr) sitze ich vor einem Restaurant ca. 30 km weiter (Kidainiai). Ich spiele mit dem Gedanken, die Tour abzubrechen. Ich glaube, die Enttäuschung ist mir im Gesicht abzulesen. Es sind doch nur noch 5 oder 6 Tage bis nach Tallinn! Der Versuch, mit einer zweiten Schmerztablette noch etwas zu erreichen wird wahrscheinlich wenig helfen, aber ich probiere alles. Heute werde ich es noch irgendwie von einem Ort zum nächsten durchziehen, aber morgen dürfte die Entscheidung fallen. Eine weitere Variante zum Abbruch der Tour wäre wohl noch, morgen und übermorgen eine Pause einzulegen, damit sich das Gelenk erholen kann. Klaus fährt gerne kleine Straßen, die oft eine festgefahrene Sanddecke haben, aber auch Querrillen. Diese versetzen meinem Gesäß jedes Mal einen üblen Schlag. Ich habe Klaus deshalb soeben den Vorschlag gemacht, dass er die Tour alleine für sich beenden soll, da ich im Moment nur das fünfte Rad am Wagen bin und ihn in seinem Fortkommen behindere. Er kann am Sonntag Tallinn erreichen und ich könnte die Tour so steuern, wie ich es vom gesundheitlichen Aspekt für opportun erachte (Abbruch, weiter mit Pausentagen, oder Weiterfahrt mit sehr kurzen Etappen). Mal schauen, wie Klaus sich heute Abend entscheidet. Ein getrenntes Weiterfahren ist m.E. die günstigste Lösung.
Die Fenster sind mit tausenden von farbigen Knöpfen verziert.
Hier fällt meine Entscheidung, Klaus zu bitten, die restlichen Tage ohne mich weiter zu fahren. Ich muss entweder meine Etappen anderes einteilen, oder kurz vor dem Ziel aufgeben. Ich bin traurig!
@Engelbert: Du bist schon ein harter Knochen mit Deiner Amerikatour. Ich habe es bisher leider noch nicht geschafft, alle Berichte zu lesen und auf dieser Homepage unter „Engelberts Tour“ zu veröffentlichen. Das hole ich aber nach, wenn ich zu Hause wieder mehr Muße dazu habe, also spätestens nach der WM ;-)
@Alfred: Sag mir im Sommer mal Bescheid. Evtl. will der Heimleiter mitkommen, wenn seine Leute bei der Caritas ein Praktikum machen. Ich würde dann gerne mal vorbeischauen und mich bei ihm erkenntlich zeigen.
17:00 Uhr Klaus ist mit meinen Überlegungen einverstanden und wird morgen alleine weiterfahren.
Diese ca. 2,5 Kilometer lange Rollbahn wurde sicherlich schon lange nicht mehr genutzt. Wenn ich mir den Tower unten anschaue, tippe ich mal auf ca. 20 Jahre! Die Litauer weinen den Russen keine Tränen nach!
00:00 Uhr Wir sind gegen 23:00 Uhr Ortszeit im Motel angekommen. Es ist eine tolle Lage: Windmühle und Storchennest gehören zur Anlage. 30 € für EZ ohne Frühstück (gibt’s morgen a la carte) sind völlig ok. Eigentlich wollten wir in der Stadt, die wir um 21 Uhr erreichten, ein Hotel finden – Fehlanzeige. In einer schummerigen Dönerbude konnten wir uns stärken und dann die nette Geste: Der Wirt kam mit einem Handy und am anderen Ende……………ein Deutscher, der mit seiner litauischen Frau irgendwo in der Nähe lebt. Er erklärt mir den Weg zu unserer jetzigen Unterkunft. Unterwegs ein Erlebnis der besonderen Art: 3 ausgewachsene Wildschweine mit 11 Frischlingen wollen vor uns die Straße queren. Die großen Tiere machen das 10 Meter vor mir, die Frischlinge trippeln einer nach dem anderen nach, so dass ich abbremsen muss, um die letzten Tiere nicht zu „erlegen“. Vier der Frischlinge schaffen es nicht, vor mir die Straße zu queren. Sie laufen aufgeregt am Feldrand in und her. Der übrige Teil der Rotte hat sich 50 Meter weiter auf dem gegenüberliegenden Feld versammelt und wartet auf die fehlenden Familienmitglieder. Klaus, der wegen eines Telefonates mit seiner Liebsten ca. 100 Meter hinter mir fuhr erzählte, dass die „verlorenen 4“ immer noch aufgeregt auf der rechten Straßenseite liefen und auf einen günstigen Zeitpunkt zum Überqueren der Straße warteten.
Zum Abend scheinen die Tabletten etwas zu wirken, oder es ist der Adrenalinstoß, als es um 21 Uhr kein Hotel gab. Die letzten 15 Kilometer laufen trotz der Etappenlänge und der Uhrzeit etwas besser. Trotzdem steht mein Entschluss fest: Ab morgen fahre ich kürzere Etappen und lege noch Pausentage ein. Ich höre in meinen Körper und der sagt mir: Lass es bitte langsamer angehen! Klaus wollte eigentlich, dass wir gemeinsam weiter fahren und er hätte Rücksicht auf mich genommen und sogar ggf, die Tour gemeinsam mit mir abgebrochen.. Ich finde es toll, dass er sich umstimmen ließ. So wird mir der Druck genommen. Ich habe noch 10 Tage Zeit und kann meinem Körper genau das zumuten, von dem ich meine, dass es sinnvoll ist. Wenn es nicht mehr geht, breche ich die Tour ab, ansonsten fahre ich gemütlich weiter, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Wir bleiben auf der Tour in tel. Kontakt, falls einer von uns Probleme hat