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Ich bin in meiner Planung einen Tag zurück.
Deshalb links noch das jeweils aktuelle Wetter in Riga.
Ich hoffe, dass ich die Hauptstadt Lettlands mit einem Tag Verspätung errreiche.
Dann werde ich den ursprünglich geplanten Pausentag auslassen und wieder im ursprünglichen Zeitplan sein.


9:15 Uhr
Als der Wecker um 7 Uhr schellte, habe ich ihn noch einmal auf 8 Uhr gestellt. Der Schlaf war unruhig und es ist ja nur eine kurze Etappe. Der Blick aus dem Fenster verheißt nichts Gutes: Es regnet Bindfäden!
Ich sitze jetzt seit 45 Minuten am Frühstückstisch und trinke einen Kaffee nach dem anderen. Bis 10 Uhr kann ich mich hier aufhalten und das werde ich jetzt nutzen.
Ich werde versuchen mit der Abfahrt zu warten, bis es trocken wird. Ich rechne heute mit lediglich 4 Stunden Fahrt, inkl. der Besichtigung des Berges der Kreuze.
Klaus hat mir gestern noch den Namen eines guten Hotels an meinem Zielort zugesimst.

in Schaulen

13:00 Uhr:
Im Hotel hängen viele alte Fotos von Schlauen (so hieß der Ort früher) aus den Jahren vom ersten Weltkrieg bis kurz danach. Der Ort muss fürchterlich gelitten haben und war praktisch dem Erdboden gleich.

Als ich kurz nach 10:30 Uhr losfuhr, hatten sich die Regenwolken größtenteils verzogen und die Sonne kam hervor. Nur die großen Pfützen zeugten noch vom Starkregen kurz zuvor.
Es wird warm (über 20 Grad) und ich habe leichten Gegenwind.
Aber das Fahren macht Spaß. Die gestrige Kurzetappe und das wärmere Wetter sind gut für meine gesundheitlichen Probleme. Dazu fahre ich etwas befreiter, weil ich für Klaus kein Bremsklotz mehr bin. Ich kann mir jetzt den Rest der Tour nur nach meinen Möglichkeiten einteilen und für heute heißt das:  
sehr langsam in niedrigen Gängen, aber dafür sehr wenige und kurze Pausen.
Nach 13 Kilometern erreiche ich den Berg der Kreuze und bin überwältigt von diesem Wallfahrtsort.







und hier ein Bild für meine Freunde aus Rheine. Auf einem der 55.000 Kreuze waren einzelne Messingschilder für die in den letzten 3 Jahren verstorbenen Mitglieder des Rheinenser Vereins angebracht. Das Schild unter den diversen Namensschilder ist hier zu sehen:


Es ist sicherlich Zufall, gerade auf dieses Bild zu blicken!


2001 war ich auf der Tour OWL-Algarve in Santiago (damals hatte Harpe K. sein Buch noch nicht geschrieben und es war auf dem Jakobsweg noch relativ ruhig).
Sicherlich, Santiago ist vom Umfang her ernorm und die Jakobspilgerwege haben alle eine interessante Geschichte. Ein Jakobsweg führt u.a. auch durch Herford.
Hier ist alles anders. 55.000 Kreuze auf engstem Raum, aufgestellt von Pilgern und mehrfach niedergewalzt von Raupen der russischen Besatzer. Ich glaube, es ist gerade das, was mich emotional noch mehr anspricht als Santiago. Der Freiheitswille eines kleinen Volkes in jüngster Vergangenheit manifestiert sich auf diesem Hügel.
Im letzten Jahr hatte ich mich im KGB-Museum in Vilnius etwas über die Zeit der deutschen Besetzung und über den bis 1953 andauernden Partisanenkampf gegen die russischen Besatzer in Litauen schlau gemacht.
Der gewaltfreie Widerstand ist es aber letztendlich gewesen, der den Balten Anfang der 90iger Jahre die Freiheit brachte. Ich erinnere mich noch an die Bilder der hunderte Kilometer langen Menschenkette. Drei völlig unterschiedliche Völker mit erheblichem Nationalstolz (jeweils eigene Sprache, eigene Währung, eigene Fluggesellschaften usw.) haben gemeinsam den positiv verlaufenden Versuch unternommen, sich gewaltfrei aus der SU zu lösen.
Litauen ist zwar kein reiches Land, aber ein sehr freundliches. Na ja, egal wohin man in Europa kommt, fast überall sind die Leute freundlicher als in Deutschland……und das meine ich auch so!
Es ist hier sauber und die Menschen haben in den letzten 20 Jahren viel erreicht, obwohl sehr viele junge Leute emigriert sind. Die Wirtschaftskrise hat Litauen voll getroffen und die Arbeitslosigkeit liegt landesweit bei über 20 %. Die Litauer setzen viel auf den Tourismus und sie haben dafür eine tolle Landschaft und Kultur zu bieten. Ich hoffe, dass ich nicht das letzte Mal hier war.
Ich freue mich, dass Litauen Mitglied der EU ist.
Ich mag dieses Land, seit ich 2006 auf der Fahrt nach St. Petersburg das erste Mal hier war.
Von allen baltischen Ländern gefällt mir Litauen am besten.

Dann noch ein Highlight der besonderen Art:
Um 13 Uhr esse ich vor einem netten Restaurant. Ich habe bis hierher 2990 km gefahren (von Herford aus -- mit der Rikschafahrt von Lemgo sind es 25 km mehr). Man könnte also sagen: Ich bin ziemlich genau 3000 Radlerkilometer von Herford entfernt in Litauen, ca. 30 km von der Grenze zu Lettland entfernt und dann das:





Jetzt habe ich Lettland erreicht und will mal schauen, was mir dieses Land 2010 an Erlebnissen beschert.




Ankunft:      20:00 Uhr                       Kilometer: knapp 100

In gut 50 Kilometern bin ich morgen in Riga und möchte direkt nach der Stadt die Etappe beenden.
Eigentlich dürfte jetzt dem Erreichen von Tallinn nichts mehr im Wege stehen, außer vielleicht Unfall, Diebstahl des Rades o.ä.


Im Hotel ist tote Hose und deshalb war ich 500 Meter entfernt in einem Einkaufszentrum. In einer Pizzeria habe ich gut gegessen und dann habe ich noch eingekauft. Das bot sich an, weil ich ja unterwegs keinen mehr dabei habe, dem beim Einkauf auf das Rad aufpasst. Neben Getränken für morgen habe ich eine Dose Bier für heute Abend aufs Band gelegt. Fehlanzeige!!! Die dürfen Bier nur bis 22 Uhr verkaufen und es war 5 Minuten später. Die Durchsage einige Minuten zuvor hatte ich natürlich nicht verstanden.



Wiki sagt zum Berg der Kreuze:

Der Berg der Kreuze (Kryžių kalnas  anhören?/i) ist ein katholisch und touristisch geprägter Wallfahrtsort in Litauen unweit von Šiauliai (deutsch: Schaulen, polnisch: Szawle) an der Straße nach Riga. Die Pilger pflegen Kreuze auf den Hügel zu stellen, verbunden mit einem Wunsch oder Dank. Die Wallfahrt erfolgt individuell und ist an keine Termine gebunden.

Zu sowjetischen Zeiten wurde mehrfach versucht, die Wallfahrt zu unterbinden. Mindestens dreimal wurden die Kreuze mit Planierraupen niedergewalzt. Da sich die Litauer hier durchsetzten, wurde der Berg der Kreuze auch ein nationales Symbol.

Der Hügel gilt als mittelalterlicher Burghügel, ist also teils künstlich angelegt. Kreuze dürften hier erst im 19. Jh. aufgestellt worden sein. 1900 waren es erst 130, 1940 etwa 400. Heute stehen ca. 55.000 Kreuze auf diesem Hügel, nicht gerechnet die zahlreichen kleinen Kreuzanhänger. Die vom Hügel und den umgebenden Kreuzen eingenommene Fläche beträgt mehr als einen Hektar.

Zu Entstehung des Hügels, dem Aufstellen der Kreuze sowie der damit ausgelösten Wirkungen gibt es zahlreiche Sagen und Legenden.

Am 7. September 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. diesen Ort und zelebrierte in einer Holzkapelle unter freiem Himmel vor etwa 100.000 Gläubigen eine Messe. Er stiftete ein großes Kreuz (der Fotograf des Panoramabildes steht mit dem Rücken dazu). Seither gilt der Kreuzberg auch als heiliger Ort für Katholiken aus aller Welt, was man auch an den Kreuzen mit Inschriften aus aller Welt erkennen kann.

Der Berg der Kreuze wurde am 28. Dezember 2006 durch einen Brand auf einer Fläche von etwa 50 m² beschädigt

02.01.2010   .........Vorschau

Auch 2006 auf meiner ersten Benefizradtour bin ich durch Riga geradelt. Dort hatte ein großers Fahrradgeschäft meine Weiterreise sichern können, weil dort eine passende Felge vorrätig war......von 1000 Felgen passte nur eine einzige und die stammte von den Schürmann-Werken aus Helpup. der 5000-Seelen-Gemeinde, in der ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe.

 
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