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Der Flieger startet gegen 14 Uhr Ortszeit in Vilnius. Nach 2 Stunden Flug haben wir einen längeren Aufenthalt in Frankfurt -- Vanessa noch 2 Stunden länger als ihr Vater.

Ich lande voraussichtlich um 19:05 Uhr in Paderborn und werde von Peter und Marlene abgeholt -- danke für Euer Angebot.

Danke auch an Udo, der es ermöglichen kann, dass mein Fahrrad im Laufe der Woche auch wieder in Richtung OWL kommt.

Ab Montag hat mich dann mein Schreibtisch wieder und dieses Tagebuch wird geschlossen.
Engelberts Reiseerinnerungen (siehe gesonderten Link) werden bis zu seiner Ankunft Mitte Juni in Lübeck weiter geführt.


Abreisetag

Nachtrag zum gestrigen Tag::

Nachdem wir in einem Hotel beim Abendessen noch Jules aus Rheine mit seinen beiden Begleiterinnen getroffen hatten und ich mit Engelbert telefonierte, wollten wir nur noch einmal kurz über das Burgfest gehen.

Aber siehe da: Am Abend wurde ein astreiner Rock gespielt. Viele Bands und Einzelinterpreten gaben auf der Bühne eine tolle Vorstellung ab. So hatten Vanessa und ihr Vater noch richtig Spaß und es gab noch einige Biere, die eigentlich nicht beabsichtigt waren.

Zum Abreisetag:

Nach dem Packen war der Frühstückstisch reichlich gedeckt. Draußen prasselt der Regen an die Fensterscheiben. Es scheint mir deshalb ein guter Tag um abzureisen. Zigmundas erzählt später, dass genau vor einem Jahr am 7.5. in Trakai 29 Grad herrschten.

Um 9 Uhr waren wir mit dem Waisenhausleiter zum Frühstück verabredet. Um 9:30 Uhr kam Zigmundas hinzu, der später das Fahrrad verpackte und das Rad, welches er Vanessa geliehen hatte, wieder abholte.

Mit dem Leiter der Einrichtung konnte ich noch ein letztes Mal über die Probleme in der Einrichtung sprechen. Während Nikotin und Alkohol (für alle strikt verboten) längst Einzug in das Kinderheim gehalten haben (vor 20 Jahren soll es das noch nicht gegeben haben), sind Rauschgifte wie Exstasy hier im Kinderheim noch nicht Einzug aufgetaucht, wohl aber in den Schulen (z.B. Gymnasium).

Es wird noch einmal drastisch der Alkoholmissbrauch speziell auch der Eltern geschildert. Die meisten haben keine Arbeit und helfen sporadisch mal bei Bauern auf dem Feld aus (ich kenne das noch als Kind, als die Leute zum "Rüben verziehen" mit der gesamten Familie zum Bauern gegangen sind. Hier ist es so, dass die Gelegenheitsarbeiter (z.B. Mutter und Vater) sich den kargen Lohn nicht in Geld auszahlen lassen, sondern für den Tag beide einen Liter Schnaps verlangen. Für die Kinder zu Hause ist dann also nicht einmal das Geld für ein einfachstes Essen da..

Zu den "Alkoholkindern" im Kinderheim. Hier wird vorgetragen, dass bei einigen Kindern der hohe Alkoholkonsum genetisch bedingt sei (beider Eltern sind Alkoholiker usw.). ich habe keine Ahnung, kann mir aber eine genetisch bedingte Alkoholkrankheit kaum vorstellen. Mir ist nur bekannt, dass bei den Ureinwohnern Amerikas und Menschen vom asiatischen Kontinent die Alkoholverträglichkeit wesentlich geringer ist, als bei der übrigen Weltbevölkerung. Diese Menschen bekommen leichter einen Rausch und verfallen wohl auch leichter der Sucht.

Peter, vielleicht kannst Du mir da mit Deinen Kenntnissen weiter helfen. Mir scheint das in den vorgenannten Fällen (Alkoholmissbrauch von Eltern und später deren Kinder) eher eine FAS-Problematik zu sein. Wenn die Mütter währen der gesamten Schwangerschaft saufen, kann das Neugeborene möglicherweise nicht nur als FAS-Kinde zur Welt gekommen sein, sondern ist möglicherweise schon mit der Geburt alkoholabhängig.

Auf meine Frage, wie den alkoholkranken Kindern mit speziellen Programmen geholfen wird, antwortet mir der Heimleiter in etwa wie folgt.

Es gibt seit einiger Zeit ein Programm, in dem spezielle Institutionen zusammen arbeiten.

Zuerst wird der Psychologe eingeschaltet, später medizinischer Dienst, ggf. Polizei und noch eine weitere Institution, die ich vergessen habe.

Die Kinder kommen für 2 Wochen zu einer besonderen Institution nach Vilnius, wo sie auf ihre Auffälligkeiten untersucht werden. Nach diesen 2 Wochen kommen sie in Heim zurück mit Therapievorschlägen. Ein durchgreifender Erfolg ist hier aber nicht zu verzeichnen.

Auf meine Frage, ob es denn auch positive Erscheinungen bei den Kindern gebe, leuchten seine Augen. In diesem Jahr habe es 3 Mädchen geschafft, die Zulassung zur Uni in Vilnius zu erwerben. Engelbert, die eine davon ist die, die uns bei der Anreise in deutscher Sprache empfangen hat.

Ein Mädchen (Vollwaise) hat die Zulassung zum Medizinstudium, ein anderes im Bereich Informationstechnik und das dritte habe ich nicht genau verstanden (muss was mit Geschichte und Tourismus mit Schwerpunkt Tourismus zu tun haben).

Die Studienkosten trägt die UNI, wenn entsprechende Leistungen der 3 erbracht werden. Die Fahrtt zur Uni mit dem Bus übernimmt die Stadt. Diese hat mit den Verkehrsunternehmen einen Vetrag abgeschlossen und die drei können während der Studienzeit kostenlos den Nahverkehr nach Vilnius nutzen. Die Unterkunft für die 3 ist bis zum 24 Lebensjahr im Kinderheim gesichert (ich hoffe, dass ich das so richtig verstanden habe). Für 2 der 3 Kinder sind die sonstigen Kosten bereits durch Spenden aufgebracht.


Leichte Probleme gibt es beim Check-In in Vilnius. Wir mussten das von Zigmundas so toll verpackte Rad teilweise wieder "entblößen", um die Luft aus den Reifen zu lassen. Das hätte ich eigentlich noch wissen müssen!

Danke an die Horstmänner für den netten Empfang (Girlande) und an Familie Schubert, die mich aus PB abgeholt haben (Fotograf Peter, Ben - links - und die verträumt in den Himmel blickende Marlene)



 
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